Short Stories



MARY THE SAILOR

Es war 1996 im Hafen von Suva. Mit uns lagen ungefähr 20 Yachten vor Anker. Darunter eine kleines aber starkes Schiff, dass einer englischen Seglerin gehörte. Männer die alleine unterwegs waren, gab es einige. Sie schipperten mehr oder weniger freiwillig und einsam um den Globus. Frauen jedoch, waren eine Seltenheit. Zu ihnen gehörte Mary. Alleine zu segeln, hätte auch mir gefallen, aber es tatsächlich zu wagen, war mir dann doch zu mühsam. Zu zweit war es einfach leichter.Wenn man es genau nahm, war auch Mary nicht ganz alleine. Vor eineinhalb Jahren hatte sie sich in der Karibik, in Jean- einen Franzosen verliebt, der ebenfalls alleine auf einer kleinen aber schnellen Rennyacht unterwegs war. Grundsätzlich gelten die Franzosen als die sportlichen und die Engländer als die gemütlichen Fahrtensegler. Schon aus diesem Grund kam für Mary ein „zusammenziehen“ nie in Frage. Für Mary galt die Regel; „Love ist one kind of a thing, Sailing is another!“ Auf keinen Fall wollte sie ihre Unabhängigkeit als Skipperin des eigenen Schiffes aufgeben. „Oh, schwärmte sie, it’s sooo nice, to meet again.“ Im Hafen verbrachte sie jede Minute mit ihrem Jean und genoss ihre ungewöhnliche Beziehung. Das hatte Folgen. Mary wurde schwanger. Auf Suva war sie im achten Monat. Die immer fröhliche Mary trug grundsätzlich geblümte Kleider mit Strohhut und farblich passendem Band. Auch an Bord. Sie war von einer ungewöhnlich positiven Aura umgeben und ihr Urvertrauen schien ihr unglaubliche Kraft zu verleihen. Genau das strahlte sie auch an jenem Tag aus, an dem sie uns alle verblüffte. Am frühen Vormittag drehte sie, unter Motor mit ihrer starken, kleinen Yacht eine Runde um uns ankernden Segler. Natürlich alleine. Ihr Liebster begleitete sie in gebührendem Abstand auf eigenen Kiel. Wir staunten nicht schlecht, als wir erfuhren, dass sie in ihrem „Zustand“ alleine nach Neuseeland segeln wollte. Obwohl Mary immer betonte, dass Schwangerschaft ja keine Krankheit sei, verstanden viele Segelkameraden diese Entscheidung nicht. Es schien einfach zu riskant. Jean würde zwar während der Fahrt mit seiner Yacht so gut es eben ging , an ihrer Seite sein, aber dennoch gab es noch Risiken genug! Während Mary völlig entspannt ihre Abschiedsrunden drehte, passierte sie eine riesige amerikanischen Yacht. Weit über ihr an Deck, standen Bordfrau und Mann und schauten kopfschüttelnd auf Mary hinunter. Sie wirkten ehrlich besorgt. Die Frau rief ihr zu: „Take care my Dear- you are alone!“ Da schob Mary ihrem Strohhut nach hinten, schaute empor, hob stolz ihr geblümtes Kleid über ihren prallen Bauch und rief zurück: „Never mind- Look- I’m not alone anymore!“Nach 12 Tagen Überfahrt kam Mary unversehrt in Neuseeland an und brachte einen gesunden Jungen zur Welt. Mary ist seither immer mein Vorbild, wenn es gilt, wichtige Entscheidungen zu treffen. Wenn ich merke, das Angst im Spiel ist, sehe ich Mary vor mir und denke: Unsereins macht sich einfach zu viele Gedanken.
© LoPadi

Versuchung

Da war er wieder- dieser Impuls. Er kam aus dem Nichts, einfach so. Er traf Rosalind unvorbereitet wie immer. Sollte sie nachgeben? Sollte sie standhaft bleiben? Rosalind fühlte wie das Verlangen und der Puls langsam anstiegen. Wie der verführerische Gedanke sie lockte. Sollte sie den Schritt wagen? Es würde nur etwas Anstrengung bedürfen ein kurzes Verlassen der warmen, gemütlichen Komfortzone, ein paar Schritte nur.
Rosalind stellte sich das Glücksgefühl vor, dass sie durchströmen würde, wenn sie diesem plötzlichen Impuls folgte und erschauerte wohlig. Gleichzeitig wusste sie, dass sie damit ein ihr selbst auferlegtes Tabu brach.
War es das wert?
Tausend Gedanken schossen Rosalind durch den Kopf. Ihre Zukunft hing von dieser Entscheidung ab. Dieser Entscheidung, geboren aus einem lächerlichen, spontanen Impuls. Sie fühlte sich plötzlich willenlos, elend und schwach. Verzweifelt versuchte sie Bilder herauf zu beschwören, die sie daran hindern sollten, diese Torheit zu begehen. Diese Bilder halfen tatsächlich ein wenig und brachten Rosalind zur Vernunft. Ihr Pulsschlag beruhigte sich, die verführerischen Gedanken wurden schwächer. Sie dachte schaudernd an die Konsequenzen. Sie wären ZU fatal. Es würden etwas an ihr ruinieren, zerstören und am Ende ihr Selbstbewusstsein auslöschen. Für manche würde sie sogar unsichtbar werden. Da war Rosalind ganz sicher. Warum nur war es so schwer, dieser Versuchung zu widerstehen?
Ihr Bauch flüsterte JA! Die Vernunft sagte NEIN! Nein, tu es nicht!
Sei stark denk an Deine Zukunft! Da kam Rosalind plötzlich DER rettende Gedanke. Ein kluger die Anspannung lösender Gedanke. Warum war sie nicht gleich darauf gekommen? Nein, Sie würde die Komfortzone NICHT verlassen. Sie würde diese Schritte nicht wagen- und plötzlich war sich Rosalinde wieder ganz sicher. Sie würde widerstehen.
Denn:
Eine Sekunde auf der Zunge, ein Leben lang auf den Hüften! Das war das bisschen Schokolade einfach nicht wert!
© LoPadi

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